Mundpropaganda bei Filmen
geschrieben von Tino am 8. Mai 2007 in Produktionstagebuch
In den letzten Wochen quält uns jeden Tag mehr die Frage, ob es möglich ist, eine Filmproduktion mit Hilfe von Mundpropaganda zu realisieren. Dass Mundpropaganda in der Filmbranche wirkt, hat Equilibrium gezeigt. In Deutschland hat der Film keine Kinoauswertung erhalten und ist durch Empfehlungen, zunächst durch das Internet, regelrecht zum Hype avanciert. Doch hier gab es schon einen fertigen Film, der mit einem Budget von 20 Millionen US-Dollar produziert wurde.
Bei dem Filmtrip setzen wir viel eher an. Die Idee und das Konzept steht, aber für die Schauspieler und das Drehbuch binden wir die Zuschauer schon im Vorfeld ein. Ein Film hat immer, wie auch alle Produkte in der Wirtschaft, eine Zielgruppe. Diese gilt es vorher zu definieren und dann die Charaktere und den Plott genau danach abzustimmen. In unserem Film spielt die Authentizität vor und hinter der Kamera eine maßgebende Rolle. Die Reise, die die Charaktere im Film unternehmen, wird auch bei der Produktion unternommen. Das Dreh-Team fährt also genau die Route ab, die Frank und Tom erleben und dreht dabei chronologisch die Szenen. Der Filmtrip ist offen für spontane Einfälle und Improvisation. Bei der Inszenierung soll sich der Zuschauer „mittendrin statt nur dabei“ fühlen. Die Kamera ist quasi der „dritte Mitfahrer“ und immer ganz nah am Geschehen dabei.
Wir sind der Meinung, dass ein Testscreening nicht wirklich mehr in der Lage ist, durch Meinungen und Hinweise der Zuschauer, aus einem schlechten oder storytechnisch nicht funktionierenden Film, einen guten zu machen. Erst mit dem relativ fertigen Film wird die Meinung der Zuschauer eingeholt. Da unser Projekt eine Produktion von der Zielgruppe für die Zielgruppe ist, kam uns gleich zu Beginn die Idee, die neuen Techniken im Internet zu nutzen und Filminteressierte mit einzubinden.
Wir haben auf der einen Seite den wohlorganisierten Frank, der in Ruhe studiert und den Job bei seinem Vater in der Firma schon sicher hat. Ihm gegenüber steht Tom, der das Leben genießt und alles ganz locker nimmt. Eingeengt im Auto, in einer unbekannten Gegend müssen beide nun miteinander zu recht kommen. Dabei treffen viele verschiedene Ansichten und Meinungen aufeinander. Doch eigentlich stehen die beiden Charaktere nur stellvertretend für zwei große Teile unserer Generation. Dieser Konflikt zwischen den zwei Typen Mensch besteht in der Realität sehr stark. Als Student gerate ich häufig in die Diskussion, dass wir faul sind, erst um 11 aufstehen und nicht wirklich was arbeiten. Was entgegnet man einen, der früh um 6 Uhr aufsteht und bis 16 Uhr arbeitet? Ich versuche mich dann immer zu retten, dass projektbezogenes Arbeiten ganztags ist, und wir nicht schon nachmittags frei haben. Was sind eure schlagkräftigen Argumente in dieser Diskussion?
Es soll nun also einen Film geben, der genau diese Probleme an- und aussprechen soll. Zwei Menschen, Stellvertreter ihrer Generation, auf dem Weg zum Erwachsen werden. Neben der Drehbuchdiskussion möchten wir in den nächsten Tagen eine Aktion starten, bei welcher der Roadtrip von Tom und Frank mittels einzelnen Episoden, durch 50 verschiedene Autoren erzählt wird. Ihr sollt also die Möglichkeit bekommen, eure Sichtweise und Erfahrungen zum Thema auf einem virtuellen Roadtrip zu verarbeiten und die beiden Charaktere in spannende Abenteuer zu stürzen. Jeder Teil der Geschichte wird von einem anderen Autor fortgesetzt. Vielleicht entsteht über diesen Weg ein Buch zum Film oder es bilden sich ganz neue Aspekte dieses Konfliktes heraus. Schreibt uns einfach in die Kommentare, wie ihr diese Idee findet und unter welchen Umständen ihr mitmachen würdet.


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bullion
schrieb am Dienstag, 8. Mai 2007, 12:13 Uhr
Zur „Faule Studenten“-Diskussion:
Ich versuche auch immer so zu argumentieren, dass projektbezogene Arbeit ganz andere Hürden bietet. Der typische 9 to 5-Job ist nach der Arbeit meist abgeschlossen. Man muss sich keine Gedanken mehr machen, sondern kann seine Freizeit 100%ig nutzen.
Ich dagegen kann mir sicher mal tagsüber eine Stunde Freizeit rausschlagen, oder morgens eine Stunde länger schlafen. Allerdings sitze ich auch oft genug bis spät nachts am Rechner. Wochenenden sind normale Arbeitstage und man denkt ständig an das Projekt.
Die Menschen in meinem Umfeld wissen auf jeden Fall, dass auch dieser Job anstrengend ist.
Claudi (die andre welche)
schrieb am Dienstag, 8. Mai 2007, 12:34 Uhr
An sich find ich die Idee voll interessant… da gibts doch so ein Spiel, wo jeder einen Satz schreiben muss… so ähnlich wird das dann auch werden:-)
Was Bullion über mir angesprochen hat trifft aber nicht nur auf die projektbezogene Arbeit zu sondern allgemein auf alle, die nicht von halb acht bis halb fünf in der Uni von einer Vorlesung zur nächsten hetzen…
) mir meinen Stundenplan anschaue, bin ich kaum in der Uni… was aber nicht heißt, dass ich nicht auch außerhalb sehr viel lesen und vorbereiten muss, und wann und wo ich das mache is eigentlich meine sache, die arbeitende Bevölkerung um mich sieht das aber manchmal anders…
auch wenn das in zeiten der gleitarbeitszeit und der globalisierung nicht mehr als besonders angesehen werden sollte.
wenn ich (angehender Geisteswissenschaftler
um 22 Uhr ist eben keine Zeit mehr noch etwas zu lesen, da schläft man!
Mein Argument ist da immer, dass das einfach meine Zeit zum arbeiten ist, früh kann ich nur stoische Sachen machen (aufräumen, abwaschen, leichte denkarbeit…) nachmittags/abends ist dann der Wissens- und Arbeitsteil dran.
Naja und bei Frank und Tom liegt doch auch das Problem vor, dass der eine lieber alles plant und ganz abgesichert sein möchte, während der andere lieber etwas riskiert und in den Tag hinein lebt…
Jedenfalls macht es so den Eindruck… allerdings heißt das ja nicht, dass nicht auch Tom einen Plan von dem hat, was er macht, auch wenn das nicht ersichtlich ist auf den ersten Blick.
Und ich denke diesen Eindruck macht man als Student bei anderen manchmal.
edit: Tino nicht mit mir schimpfen, aber das musste alles raus
Tino
schrieb am Dienstag, 8. Mai 2007, 21:16 Uhr
ja bullion, man arbeitet irgendwie jeden Tag von früh bis Mitternacht und hat eben sehr unregelmäßig Freizeit. Ich kann mir meine Freizeit zwar gerade noch selbst bestimmen, aber sobald ich wirklich Zeit habe, fällt mir immer ein, dass ich ja an meiner Abschlussarbeit mal was schreiben muss.
Aber was gar nicht mehr geht bei mir im Moment ist, seinen Arbeitsplatz zu hause zu haben. Da ist vom Bett zum Schreibtisch kein Abstand (örtlich und auch symbolisch). Demnächst muss es unbedingt ein Büro sein, wo ich erstmal 10 min frühs durch einen Park laufe.
Aber du hast Glück, dass deine Leute das akzeptieren. All meine Schulfreunde haben entweder direkt an einer UNI was sehr theoretisches studiert oder zu arbeiten angefangen. Was soll ich sagen, ich hab die beste Wahl getroffen, mir macht jeder Tag mehr Spaß. Irgendwann muss man nur mal mit den Projekten was verdienen … jetzt kommt aber zunächst der Filmtrip
hehe Claudi, die Geisteswissenschaftler … ne im ernst, ich stell mir das viel kniffliger vor, wenn man Sachen nicht direkt mal testen kann oder auf irgendwelche direkten Ergebnisse hin arbeitet. Wie motivierst du dich da immer nur zu?
Christin
schrieb am Dienstag, 8. Mai 2007, 21:28 Uhr
Ehrlich gesagt, ich habe die Idee der neuen Aktion mit den 50 Autoren nicht so recht verstanden.
Erhalte ich in den folgenden Tagen kleine Geschichten von Tom und Frank von verschiedenen Autoren und ich sollte diese einschätzen oder
bin ich aufgefordert mir Geschichten um die beiden auszudenken oder
gebt ihr eine kleine Sequenz vor, einen Anfang einer Geschichte zum Beispiel, und ich setze diese fort?
Noch kurz zum Thema, welche Lebens-(Alltags-gestaltung ist akzeptabel. Meiner Meinung nach jede, wichtig finde ich dabei, dass diese eigenverantwortlich ist und nicht auf den Schultern der anderen realisiert wird und das derjenige sich damit zufrieden und wohl fühlt.
Tino
schrieb am Mittwoch, 9. Mai 2007, 00:28 Uhr
genau. Wir geben den Rahmen der Story vor und leiten die Geschichte selbst rein. Jeder, der zu dem Konflikt von Frank und Tom etwas beizutragen hat, kann mitschreiben. Im nächsten Tagebucheintrag mehr dazu.
Deine Ansicht am Ende finde ich ziemlich sinnvoll. wahrscheinlich hast du damit recht.
Claudi (die andre welche)
schrieb am Mittwoch, 9. Mai 2007, 13:31 Uhr
Muss ich Christin zustimmen… auf die Art und Weise hat man von seinem Leben auch mehr, weil man weiß man hat das selber geschaffen auch wenn’s manchmal schwierig war, aber man hat eben nicht andere benutzt
tja Tino noch bin ich in dem Stadium wo ich mein studium und was darin gelehrt wird wahnsinnig interessant finde und dazu immer neues Wissen gesucht wird… wer weiß wie das mit der Motivation in ein paar Jahren aussieht
Naja aber eigentlich kann ich schon alles testen nur das Aufwand-Nutzen-Prinzip ist da noch sehr unausgeglichen, also das was man erst alles erlernen muss zu dem was am ende dann sichtbar ist für andere.
Mal was anderes: die räumliche Trennung die du meintest… hm trifft das nicht auch etwas auf Frank zu der zu Hause wohnt und lernt?… auch wenns eine andere Art und Weise ist. Ich mein ich kenns ja auch von zu Hause man sitzt hier und lernt… und das Bett steht zwei Meter weiter… Nun weiß man von Frank nicht viel, also ob er Stubenhocker ist oder eher aktiv, aber die Aktion Mercedez zu suchen, die eröffnet ihm ja neue Horizonte wie man sein Leben zu führen hat, auch wenns ihn wahrscheinlich Mut kostet…
weiß grad ni ob das so passt allgemeint aber mir fiels so ein: