Learning by doing: Tipps & Tricks für Filmemacher
geschrieben von Alex am 14. Jul 2007 in Produktionstagebuch
Als Rückblick auf unseren Dreh und als Hilfe für alle anderen Indie-Filmmacher stelle ich heute mal eine kleine Liste zusammen, was wir beim Dreh gelernt haben:
1. Drehgenehmigungen sind Luxus! Vor allem in Frankreich und Spanien wurden wir nie danach gefragt. Im Gegenteil, egal wo wir hinkamen waren die Leute hilfsbereit und entgegenkommend. Wenn man also nicht grad auf dem örtlichen Militärgelände dreht oder keine Möglichkeit hat, an eine Drehgenehmigung zu kommen, sollte man sich keinen Kopf machen. Mehr als wegschicken können sie einen nicht.
2. Es muss immer einen Plan B geben! Die große Szene, auf die der ganze Film und die Crew hingearbeitet hat steht an und plötzlich - regnet es! Wohl dem, der sich vorher schon einen Ausweichplan überlegt hat und daher zum Beispiel erstmal einen Innenszene im Drehplan vorzieht. Macht man das nicht, hat man keine Chance, den Film pünktlich fertig zu bekommen.
3. Unterkunft und Verpflegung sind das A und O! Bei einem Kurzfilm vielleicht noch eher zu vernachlässigen, sind diese beiden Punkte bei einem Spielfilm viel wichtiger als man denkt. Eine Crew, die Hunger oder nicht richtig geschlafen hat, wird schlechte Laune haben und nicht gut arbeiten.
4. Freizeit ist wichtig! Auch hier gilt wieder: Bei einem Kurzfilm kann man schonmal 5 Tage lang 14 Stunden am Tag durchknüppeln. Bei einem 90 Minuten Film hält man dieses Tempo nicht durch. Stattdessen brennt man aus und die Qualität leidet. Daher Pausen machen und nicht jeden Tag bis zum letzten mit Arbeit vollstopfen.
5. Immer Geld in der Hinterhand haben! Wie schnell fällt mal der Scheinwerfer um und man brauch einen neuen Brenner. Oder man hat ein wichtiges Kabel vergessen und muss es noch schnell nachkaufen. Es gibt keinen Dreh, bei dem nicht noch irgendwelche Nebenkosten durch zusätzlichen Sprit, Materialbeschaffung oder ähnliches entstehen. Diese Kosten vorher unbedingt mitkalkulieren, sonst geht einem mitten im Film das Geld aus.
6. Teamwork ist wichtig! In großen Filmproduktionen gibt es für jeden Posten einen (bezahlten) Mann/Frau, bei Indie-Filmen natürlich nicht. Das heißt, jeder muss alles machen. Und da ist nichts schlimmer, als wenn der Beleuchter plötzlich nicht die Kulisse mit wegräumen will („Ich bin nur der Beleuchter!“). Jedes Teammitglied, ob Regisseur oder Kameraassistenz, muss die Arbeit sehen und von alleine mit helfen – so geht man Streits aus dem Weg und schafft zudem noch ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl.
7. Bereit für Kompromisse sein! Im Drehbuch ist die Schlüsselszene so schön beschrieben: Eine große Ebene bei Sonnenuntergang und gutem Wetter mit Blick auf das ganze Land. Doch in Realität ist auf der Ebene plötzlich eine Baustelle. Man kann und sollte natürlich versuchen, jetzt einen ähnlich guten Ort für die Szene zu finden. Aber man muss vorher festlegen, wie lang man danach sucht. Sonst geht schnell mal ein ganzer Tag für die Drehortsuche drauf. Daher lieber einen Kompromiss machen und die Szene an einem anderen schönen Fleck drehen. Oft erweisen sich diese Lösungen sogar noch als besser als die ursprünglich angedachten.
8. Probleme gleich klären und nicht aufschieben! Wie überall, wo Gruppen zusammenarbeiten, gibt es auch mal Konflikte. Und die sollten gleich gelöst werden, sonst leidet auch hier wieder die Qualität des Films.
9. Einen realistischen Drehplan erstellen! Und der sollte immer, ob Kurz- oder Langfilm, Zeit für Nach- und Ausweichdrehs am Ende haben. Ein Drehplan, der bis zum Ende vollgestopft ist kann nicht funktionieren. Ich habe noch keinen Dreh erlebt, an dem man am Ende die zusätzliche Zeit nicht doch noch irgendwie genutzt hat. Bei unserem Film waren das acht Tage, von denen wir fünf dann auch gebraucht haben.
10. Irgendwie klappts immer! Man sollte uneingeschränkter Optimist sein. Bei jedem Dreh treten scheinbar unlösbare Probleme auf doch irgendwie gehts immer weiter. Nie den Mut verlieren, stattdessen einen kühlen Kopf bewahren und zusammen Lösungen suchen. Als unserem Wohnmobil plötzlich das Fenster abfiel standen wir auch vor der Frage: Wie sollen wir das Ding jetzt noch filmen, ohne dass der Zuschauer merkt, dass da plötzlich ein Fenster fehlt? Ganz einfach: Wir haben das runterfallende Fenster einfach als Handlung in den Film eingebaut und schon hats hingehauen.


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TiH
schrieb am Montag, 16. Juli 2007, 08:47 Uhr
Also nach dem letzten WE, an dem wir ja in der Gluthitze unseren Kurzfilm „Vom Himmel.“ gedreht haben kann ich da dem alex nur zustimmen, was seine hier aufgezählten tipps angeht.
vor allem punkt 10 hat sich gott sei dank einfach mal bewahrheitet und so haben wir trotzt dem stress der letztenden tage alle szenen im kasten und können nun in die ferien starten….^^
p.s.: weitere infos zum projekt gibts demnächst unter http://www.vomhimmel.de
Christopher
schrieb am Mittwoch, 18. Juli 2007, 23:23 Uhr
In den obigen Aussagen stecken viele Lebensweisheiten drinnen. Kann man direkt auf andere Teile des Lebens abbilden.
Grüße aus Karlsruhe,
Christopher