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Kontinuierliche Anschlussfehler

geschrieben von Alex am 4. Mai 2007 in Produktionstagebuch

Bevor so ein Dreh gestartet werden kann, gibt es immer viel vorzubereiten. Viel mehr, als man der fertigen Szene dann überhaupt ansieht. Besonders der Drehplan ist dabei mit vielen Problemen verbunden. Heute will ich in diese rein organisatorische Vorbereitung mal einen kleinen Einblick geben.

Der Drehplan wird anhand des fertigen Drehbuches meist von der Produktions- und der Aufnahmeleitung entwickelt. In ihm steht, welche Szene wo an welchem Tag zu welcher Zeit gedreht wird (und noch tausend weitere kleine Sachen). Der Regisseur und die Darsteller würden natürlich am liebsten alle chronologisch drehen, aber in der Praxis lässt sich das eigentlich fast nie umsetzen.

Das liegt zum Beispiel daran, dass man einen bestimmten Drehort nur für einen Tag zur Verfügung hat. Also muss man alle Szenen dort an diesem Tag drehen, egal ob sie am Anfang oder am Ende des Filmes spielen. Aber man kann sogar noch weiter ins Detail gehen: Wenn eine Szene in einem schwierig auszuleuchtenden Raum spielt, geht man soweit, erst alle Einstellungen einer Kameraperspektive zu drehen. Dann leuchtet man um und dreht alle Einstellungen in der entgegengesetzten Kameraperspektive. Danach leuchtet man nochmal um und dreht die Totale, in der alles zu sehen ist (wobei man die natürlich auch als erstes drehen kann).

Das führt dazu, dass bei einem Dialog erst der erste Darsteller den halben Tag mit der Luft spricht und dann Pause hat. Dann ist der zweite Darsteller alleine dran und erst am Ende, bei der Totale, spielen sie auch wirklich zusammen.

Ein gutes Beispiel ist hierfür eine Szene aus „Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“. Im ersten Drittel des Films streiten sich Bilbo und Sam auf der Treppe zur Spinne Kranka, weil Sam angeblich alle Vorräte alleine aufgegessen haben soll (daweile war’s Gollum, der Schlingel). Dieser Streit wurde mit einem Jahr Abstand gedreht! Erst wurden alle Bilbo Einstellungen gedreht, dann musste das Drehteam weg vom Drehort und ein Jahr später wurden dann die Sam Einstellungen gedreht.

Auf die Spitze trieb es „Sin City“. Indem sahen sich die Schauspieler, die sich unterhalten, streiten, prügeln etc. beim Dreh oft überhaupt nicht! So war Jessica Alba noch gar nicht gecastet, als Mickey Rourke seine Szenen drehten. Trotzdem spielen sie im fertigen Film zusammen – die digitale Technik machts möglich.

Das ist natürlich künstlerisch eine große Herausforderung für das Team und vor allen Dingen die Schauspieler. Und dadurch entstehen auch die ganzen Anschlussfehler, die man in Filmen so sieht (wenn das Schwert von „Braveheart“ zum Beispiel ständig von einer Hand in die andere wechselt). Nicht umsonst gibt es bei jedem Dreh ein Teammitglied, welches sich ausschließlich um die Kontinuität kümmert.

Auch wir werden natürlich mit diesen Problemen zu kämpfen haben. Allerdings mit dem Vorteil, dass wir uns den Luxus „gönnen“, fast den ganzen Film chronologisch zu drehen. Schließlich fahren wir die Roadtripstrecke ja auch wirklich der Reihenfolge nach ab.

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