Wie muss Filmton klingen?
geschrieben von Fabian am 9. Aug 2007 in Produktionstagebuch
In kaum einem anderen Bereich des Filmes erhitzen sich die Gemüter so bei der Nachbearbeitung, wie beim Filmton. Dieser besteht im Wesentlichen aus drei Ebenen.Die Erste und augenscheinlichste ist die Dialogebene – wie bereits erklärt ist hier die Aufnahme besonders problematisch und entscheidend für die spätere Verständlichkeit. Hier kommt es in der Nachbearbeitung vor allem darauf an, so viel Verständlichkeit wie möglich aus dem Originalmaterial herauszukitzeln. Das wird im Wesentlichen dadurch getan, indem die störenden Hintergrundgeräusche minimiert werden. Dazu wird uns an gegebener Stelle Sasha Knorr ein paar Hinweise geben. Die zweite Ebene ist das Sounddesign, was in diesem Film weniger Bedeutung hat, da der lebensnahe und dokumentarische Charakter unterstrichen werden soll. Hier besteht wenig Spielraum für Experimente. Wenn man aber in einem Action- oder Science Fiction Film darauf achtet, wird man merken, dass eine Vielzahl von Geräuschen sehr verstärkt und dadurch relativ unrealistisch klingen: Es kann schon mal vorkommen, dass das Zufallen einer Türe aus inszenatorischen Gründen klingt, als würde eine kleine Bombe in die Luft fliegen. Ebenso werden Hintergrundgeräusche, die eigentlich viel viel lauter sind in der Realität viel leiser wiedergegeben. Das Zirpen von Grillen oder die vorbeifahrenden Autos sind viel leiser, als man sie in der Realität hört.
Zu guter Letzt kommt die Musik ins Spiel. Kein Film ohne gute Filmmusik. Wer selber schon mal darauf geachtet hat, wird feststellen, dass Filme mit der passenden Musik eine völlig andere Wirkung, oder überhaupt erstmal eine Wirkung erlangen. Mit Musik ist es sehr gut möglich subtil und unmittelbar die Handlung voranzutreiben, Emotionen zu wecken. Das gilt für Dirty Dancing genauso wie für Resident Evil. Wenn diese drei Komponenten für sich fertig sind, kommt der eigentlich schwierige und technisch aufwendige Teil: die drei müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass es zum Schluss der gewünschten Wirkung entspricht. Hier entstehen einige Konfliktpunkte, denn Ton ist subjektiv, Empfindungen und Wirkungen weichen auseinander.
Es gibt kaum feste technische Standards, Anleitungen und Schemen wie man vorgehen muss, damit es am Ende „gut klingt“: Heiß diskutiert wird dabei oft, wie laut die Musik immer gerade noch sein darf, damit sie nicht stört, das Sounddesign noch zur Wirkung kommt und der Dialog verständlich ist. So wie Alex es bereits beschrieben hat, stumpft man hier natürlich auch wieder ab, denn wenn ein Dialog während des Drehbuchschreibens 10mal geändert wurde, man ihn beim Besprechen des Szene am Drehtag fünf mal gelesen hat, den Take 15 mal drehte, im Schnitt die Szene 20mal vorbeiziehen ließ, ist der Text bekannt. Aber der Zuschauer hört ihn zum ersten Mal!
Was dagegen hilft? Den Film in einem profesionellen Tonstudio anhören, damit schon mal die technische akkustische Qualität einen sehr guten Ausgangspunkt darstellt. Wir werden das bei Christian Gebhard im Tonstudio machen und heißt es wieder 10 mal den Dialog anhören und entscheiden: Wie er gut klingt, der richtige Filmton!


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Matti
schrieb am Donnerstag, 9. August 2007, 08:15 Uhr
Sehr schön geschrieben!