Mai 2008 im Kino Martin Kaps spielt Tom Matthias Dietrich spielt Frank
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In den Gesprächen mit meinen Bekannten und Freunden habe ich in letzter Zeit oft festgestellt, dass sich viele nicht so richtig vorstellen können, was genau eigentlich beim Schnitt passiert und was die Aufgabe des Regisseurs ist. Schließlich gibt es ja auch einen Cutter und außerdem rechtfertigt so ein kleines bisschen Filmgeschneide doch nicht, dass ich tagelang nicht erreichbar bin.

Daher gibts heute mal einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Filmschneidens: Die aufwendigste und nervenaufreibenste Sache ist erstmal die komplette Materialsichtung (die wir Gott sei Dank nun hinter uns haben). Dabei schauen Christian und ich die kompletten 30 Stunden Filmmaterial an und wählen zusammen aus, welche Einstellungen in den Film kommen und welche nicht.

Kompliziert ist das deshalb, weil manche Einstellungen über 20 Mal gedreht wurden. Wir sehen also 20 mal Martin, der sich umdreht und zu Matthias sagt: „He, suchst du ne Mitfahrgelegenheit?“. Welche dieser Einstellungen soll man nun nehmen? Die technische Seite sollte natürlich stimmen, es dürfen keine Mikros oder Teammitglieder im Bild sein, das Bild darf nicht zu hell oder viel zu dunkel sein und auf der Soundebene sollte nicht grade eine Düsenflugzeug alle Geräusche überlagern. Aber weit schwieriger ist die schauspielerische Ebene: Welche dieser Einstellungen ist am besten gespielt? Das ist gar nicht so einfach herauszufinden wie man denkt. Einmal, weil einem der filmische Kontext etwas fehlt. Man schaut die Einstellung schließlich einzeln und nicht, wie später der Zuschauer, im Zusammenhang mit der ganzen Szene und den ganzen Film an. Zum anderen „stumpft“ man regelrecht ab. Spätestens wenn man das zehnte Mal die selbe Einstellung gesehen hat, neigt man dazu, dem Ganzen nicht mehr die volle Aufmerksamkeit zu schenken (und schielt lieber mit einem Auge auf Christians an der Wand hängende Poster). Wenn das passiert muss man sich zusammenreißen oder eine kleine Pause machen.

Nachdem das Material also gesichtet und die besten Einstellungen herausgesucht sind, sprech ich mit Christian das komplette Schnittkonzept nochmal durch und lass ihn erstmal alleine. Nun schneidet er alle Einstellungen grob zu Szenen auseinander. Aus mehreren zusammengehörigen Szenen werden dann Sequenzen, aus diesen Akte und daraus schließlich der ganze Film. Das ist dann der sogenannte Rohschnitt. Hier ist der Ton, Farbkorrektur, Musik etc. noch überhaupt nicht berücksichtigt. Ehrlichgesagt ist ein Rohschnitt jedesmal eine ziemlich beängstigende Angelegenheit, da er fast immer ziemlich schlecht ist. Den „Fluss“ bekommt ein Film erst in der nächsten Phase, dem Feinschnitt.

Diesem widme ich mich aber das nächste Mal. Fortsetzung folgt…

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3 Kommentare zu “Warum der Rohschnitt meistens schlecht ist …”

  1. bullion

    Schön beschrieben! Wenn man hinterher eine der ersten Schnittversionen mit dem Finalschnitt vergleicht, sieht man dann auch erst einmal was für Welten zwischen diesen liegen.

    Die Abstumpfung ist ein großes Problem und wird auch beim Feinschnitt (ein paar Frames früher? doch lieber eine weiche Blende? etc.) auftreten…


  2. Thomas

    Kannst du denn schon ungefähr sagen, ob die Länge des rohschnitts auch die Länge des fertigen Filmes ist, oder fällt dann noch so viel raus, bzw. kommt rein?

    Best!


  3. Alex

    also ich denke in unserem fall wird der fertige film nicht viel länger oder kürzer als der rohschnitt werden. klar werden wir noch die ein oder andere szene um ein paar sekunden verlängern oder kürzen, aber im gegensatz zu großen hollywood produktionen haben wir nicht viel zu viele szenen gedreht, von denen wir die hälfte noch wegschneiden (nur um ein paar monate später einen „directors cut“ auf dvd hinterherzuwerfen).


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