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Akte, retardierende Momente und co.

geschrieben von Alex am 26. Mrz 2007 in Produktionstagebuch

Nachdem ich letztes Mal erzählt habe, wie ich zu der Drehbuchidee gekommen bin, will ich heute etwas Hintergrundwissen zum Thema Drehbuchschreiben liefern.

Das Wichtigste ist, man muss eine Story im Kopf haben, deren Grundessenz sich in einem Satz zusammenfassen lässt. In unserem Falle wäre das so was wie „Zwei junge Männer werden erwachsen“. Lässt sich die Handlung nicht so zusammenfassen, sollte man die Idee entweder vergessen oder solange dran rumarbeiten, bis eine klare Aussage erkennbar ist.

Die gebräuchlichste aller Drehbuchformen ist die Drei-Akt-Struktur. Der erste Akt ist quasi die Einleitung und stellt alle wichtigen Charaktere vor, in unserem Fall ist das die Fahrt von Frank und Tom nach Lyon in Frankreich. Bei einem 90Minuten Film sollte dieser Teil nicht mehr als 10-20 Minuten beanspruchen.

Dann, im zweiten Akt, beginnt der Hauptkonflikt des Helden. Ein Problem tut sich auf und er muss alles tun, um es zu lösen. Das geht den ganzen zweiten Akt so, ein Wendung jagt die nächste und, das Wichtigste: der Druck auf den Helden wird immer größer. In unserem Film beginnt dieser Teil damit, dass Frank erfährt, dass seine große Liebe Mercedes nicht mehr in Lyon sondern schon wieder in Spanien ist. Sein Konflikt besteht also darin, so schnell und günstig wie möglich nach Spanien zu kommen und wird noch dadurch vergrößert, dass er nur Tom zur Lösung dieses Problems hat. Die beiden bilden also eine Zweckgemeinschaft und fahren zusammen, wobei die Zeit immer knapper und die Probleme immer größer werden.

Das führt dann direkt zum dritten Akt, dem Schluss. Brian Cox, der in „Adaption“ von Spike Jonze den Drehbuchguru Robert McKee spielt, sagt an einer Stelle des Films, dass der Schluss der wichtigste Teil des Films ist. Der ganze Film kann langweilig sein, wenn man den Zuschauer in diesem letzten Teil auf seine Seite ziehen kann, wird er zufrieden aus dem Kino gehen. Zu Beginn des letzten Aktes muss es noch mal eine Wendung geben. In unserem Fall streitet sich Frank so sehr mit Tom, dass er ihn verlässt und versucht, das letzte Stück zu Mercedes alleine zu trampen. Das ist quasi das retardierende Moment, alles scheint für den Helden schief zu gehen und es sieht so aus, als könnte er sein Ziel auf keinen Fall mehr erreichen.

In jedem Film gibt es so einen Moment, egal ob er der 3-Akt, der 5-Akt oder gar keiner Struktur gehorcht. Manche Filme beginnen sogar mit diesem Moment und erzählen dann die Vorgeschichte (in jüngster Zeit waren das zum Beispiel „Das Parfüm“ und „Mission: Impossible 3“). Das ist ein beliebter Trick, denn so weiß der Zuschauer von Anfang an, dass ihn die absolute Katastrophe erwartet und er ist dann umso erleichterter, wenn sie für den Helden doch positiv ausgeht.

Nach diesem Moment kann der Film in alle Richtungen gehen. Oft erreicht der Held sein Ziel, manchmal nur mit großen Abstrichen und Verlusten und manchmal, wenn es ganz bitterböse ausgeht, erreicht er es nicht. Das Ende von unserem Film will ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten, aber ich denke es ist das beste Ende, was die Geschichte haben kann.

Wen das Thema Drehbuchschreiben näher interessiert, sollte sich unbedingt „Drehbuchschreiben“ von Syd Field und „Story“ von Robert McKee zu Gemüte führen.

Und nun zu etwas völlig anderem, nämlich den heutigen Ausscheider: Marco Wedel. Schade Marco, trotzdem vielen, vielen Dank für deine Bewerbung.

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3 Kommentare zu “Akte, retardierende Momente und co.”

  1. Susi

    Dass der Schluss dass wichtigste ist, stimmt wenn überhaupt nur im Kino. Den Fernseher bzw die DVD würde ich nach spätestens 20 langweiligen Minuten abschalten.


  2. Alex

    ja, das hätt ich vielleicht dazu schreiben sollen: diese ganze drehbuchsache gilt natürlich nur fürs kino. für fernsehen gibt es andere maßstäbe und vorschriften, sowohl beim drehbuch als auch bei der inszenierung.

    so muss bei einem tv-film die einleitung besonders furios sein (ich glaube, es war etwas um die 5 minuten, die der zuschauer dem film gibt, um ihn zu überzeugen), während es ein kinofilm auch etwas ruhiger angehen lassen kann.


  3. Enrico

    ja. im kino kannst du halt nicht flüchten, du hast keine fernbedienung in der hand, darum ist die exposition im film immer ein wenig länger, aber dennoch umso bedeutender, denn hier wird der grundstein für den ganzen film gelegt.
    hier kann man erahnen, was die figuren für bedürfnisse haben und der protagonist, sollte ein möglichst starkes ziel haben, was er glaub ich in dem projekt haben wird …


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