Mai 2008 im Kino Martin Kaps spielt Tom Matthias Dietrich spielt Frank
Zur Startseite

Von der Idee zum Drehbuch

geschrieben von Alex am 6. Apr 2007 in Produktionstagebuch

Wie schreibt man eigentlich so ein Drehbuch? Diese Frage stellt sich spätestens dann, wenn man vor der Tastatur sitzt und sich vorgenommen hat, nun das filmische Meisterwerk des Jahrhunderts zu Papier zu bringen.

Pauschal lässt sich das nicht beantworten, bloß eins ist sicher: Legenden von Drehbüchern, die in einer Nacht geschrieben wurden und dann sämtliche Preise abräumten sind schlussendlich doch nur Legenden. Zum Beispiel soll Sylvester Stallone das Oscar-nominierte Drehbuch zu „Rocky“ an einem Stück geschrieben haben. Ob da was dran ist, weiß wohl nur er selbst.

Tatsächlich sah der wahre Schreibprozess zumindest bei mir etwas anders aus. Nachdem ich die Grundidee aufgeschrieben hatte, ergänzte ich sie immer und immer wieder mit weiteren Einfällen. So wurden aus zwei Sätzen schließlich zwei Seiten. Dann überlegte ich mir einen groben Fahrplan, den ich wie eine Timeline aufschrieb. Also die chronologische Abfolge der Ereignisse, die unsere beiden Hauptcharaktere durchleben.

Diesen Fahrplan ergänzte und verfeinerte ich immer und immer wieder, bis er schließlich so genau wurde, dass man ihn schon als Abfolge der Szenen bezeichnen könnte. Das einzige, was noch fehlte, waren die Dialoge.

Als ich mit der Struktur soweit zufrieden war, setzte ich mich an ein Drehbuchprogramm (davon gibt’s dutzende kostenlos im Internet, wer Geld hat kann sich aber natürlich auch professionelle Software wie „Final Draft“ kaufen) und begann mit dem Script. Das lief von jetzt eigentlich wie von selbst, da ich die genauen Stationen und Ereignisse ja inzwischen aus dem ff beherrschte und nur noch die Dialoge einfügen musste.

Diese sind übrigens ein ganz eigenes Thema. Ein Dialog sollte nie davon handeln, wovon er handelt. Klingt komisch, ist aber so. Im Klartext bedeutet es, dass die Charakter immer über was anderes reden, als es in der Szene eigentlich geht und die wahre Bedeutung nur durch den Subtext klar wird.

Ein gutes Beispiel findet sich in Spielbergs „Schindlers Liste“. Als sich Oskar Schindler und sein späterer guter Freund und Berater Itzhak Stern das erste Mal treffen, sagt Stern: „Ich bin vom Gesetz aus verpflichtet ihnen zu sagen, dass ich ein Jude bin.“ Schindler erwidert: „Und ich bin Deutscher, hätten wir das geklärt.“ Da der Zuschauer natürlich schon vorher wusste, dass Schindler Deutscher und Stern Jude ist, hätte man sich diesen Satz ja eigentlich sparen können. Aber sein eigentlicher Inhalt ist ein ganz anderer: er drückt ganz genau aus, was Schindler vom Nationalsozialismus und der „Judenfrage“ hält und etabliert schon jetzt sein ganzes späteres Handeln.

Übrigens bin ich mit den Dialogen immer noch nicht fertig. Sie stehen zwar vom Inhalt her alle fest, aber der Feinschliff fehlt den meisten noch. Hier hoffe ich auch auf die Hilfe der beiden Hauptdarsteller, mit denen ich den Dialog dann zusammen weiterentwickeln will. Schließlich sind es ihre Rollen und sie müssen sich damit identifizieren können.

Nun noch zu den heutigen „Abgängen“: Es verlassen uns Nikolai Will und Jan Philipp Jarke. Großen Dank an die Beiden für ihre Mühen!

Trackback setzen Link setzen

3 Kommentare zu “Von der Idee zum Drehbuch”

  1. Jana

    Hallo ich interessiere ich selbst sehr für das Drehbuchschreiben. Wie du alles beschreibst klingt ja schon sehr professionell, wie viele Bücher hast du denn schon selbst geschrieben?
    Ich bin aber auch etwas verwirrt. Ich verfolge euer Projekt schon länger mit großer Spannung und finde es klasse. Allerdings dachte ich bisher, das die User das Drehbuchmitgestalten können. Jetzt schreibst du aber nur von dir und deinem Fahrplan.


  2. Alex

    hi jana,

    da hab ich mich etwas missverständlich ausgedrückt: das drehbuch ist natürlich noch nicht zu 100% fertig und es gibt einige schlüsselstellen, die ich noch ausgelassen habe bzw. ideen, die ich noch brauche. die werden dann hier diskutiert und so hat auch jeder die möglichkeit, das drehbuch mitzugestalten.

    drehbücher hab ich bis jetzt nur für kurzfilme geschrieben, dieser film hier ist mein erstes 90minuten projekt.

    zum drehbuchschreiben kann ich dir übrigens auch meine älteren beiträge empfehlen. darin empfehle ich auch die bücher „story“ von mckee und „drehbuchschreiben“ von field, die für den einstieg sehr geeignet sind.


  3. Tino

    Der Fahrplan und die Route steht an sich … dies war wichtig für uns einige Dinge zu klären. Nur wird nun unterwegs einiges zwischen den Beiden passieren. Dafür haben wir Ideen, die wir dann mit euch teilen, besprechen und weiter entwickeln werden. Letztendlich macht jeder Filmemacher seinen Film ein stückweit für den Zuschauer. Meist wird die Reaktion der Zuschauer dann im Nachgang mittels Testvorführungen getestet und dann gar noch mal die Story optimiert. Wir wagen nun hiermit den Versuch, diesen Prozess vorzulagern und somit schon bei unserer ersten Spielfilmproduktion neue Wege zu gehen.


Navigation

Auf DVD & Bluray



Produziere deinen eigenen Film!

Startnext Logo

Startnext ist eine Plattform zur Projektfinanzierung für Filmemacher, Musiker, Veranstalter, Erfinder, Autoren und Journalisten

Merchandising


Stay tuned

Seite bookmarken
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Feed abonnieren
RSS Feed von Filmtrip.de abonnieren

Film Trip's Facebook profile

Suchen

Neue Kommentare

marmeren keukenwerkblad in Open Film-Shirt: Outstanding blog post, I have marked ...

verhuisbedrijf zoetermeer in Open Film-Shirt: I like the post and i ...

kraan accessoires in Open Film-Shirt: Hello I am so delighted I ...

Kategorien

Unsere Partner

Unsere Partner
I love Dirt

Gefördert von

Unsere Partner

Links

Tagebuch-Archiv


Impressum

Datenschutz